
BY JULES MANDANA
Ein Abend für neue Stimmen im Dokumentarfilm
Gemeinsam mit AG DOK und LETsDOK fand am 11. Oktober 2025 im Rahmen der 6. Dokumentartage LETsDOK die erste DOCS 030 – Short Documentary Competition statt.
Mit DOCS 030 wollten wir jungen Filmschaffenden eine Bühne bieten, ihre Arbeit sichtbar machen und einen Raum für Austausch und Inspiration schaffen. Die Resonanz war überwältigend: Aus über 90 Einreichungen wählten wir 13 Filme aus, mit eigenständigen Handschriften und unterschiedlichen Perspektiven auf die Welt.
Vielen Dank an alle, die uns ihr Vertrauen geschenkt und ihre Filme mit uns geteilt haben.
Offizielle Selection
Die Auswahl der 13 Kurzdokumentarfilme folgte zwei Leitgedanken:
Formale Vielfalt.
Wir wollten zeigen, wie vielseitig dokumentarisches Erzählen sein kann: von klassischen Erzählformen bis zu radikalen Experimenten, von Filmen, die Stimme und Klang in den Mittelpunkt stellen, bis zu Arbeiten, die auf die Kraft ihrer Bilder vertrauen.
Inhaltlicher Resonanzraum.
Dokumentarfilm lebt vom Inhalt. Uns war wichtig, Stimmen, Perspektiven und Themen zu präsentieren, die Diversität widerspiegeln und miteinander in Dialog treten.
Offizielle Selection [alphabetisch]
Alles gehört zu dir - Hien Nguyen, Mani Pham Bui
Black sisters in socialist "brother countries" - The struggle of Mozambican female contract workers - Maresa Nzinga Pinto
Goodbye Regina - Kevin Sepp
Historia Magistra Vitae - Tamara Erbe
It Will Hurt - Dasha Altukhova
Monument - Maksim Avdeev
Orgy Every Other Day - Samuel Döring
Positive Gymnastik - Anna Sochorova
Stachi - Meta Friedrich
The last day - Mahmoud Ibrahim
The Moon is Beautiful - Bruno Noaro
Vanilla Sky Habibi - Marie Zrenner
Where We Belong - Jonah Wögerbauer
Drei Preise – Drei Perspektiven
Am Abend wurden drei Filme ausgezeichnet, die auf jeweils eigene Weise berühren, herausfordern und neue Blickwinkel eröffnen:
Jury Award: It Will Hurt by Dasha Altukhova
Audience Award: Monument by Maksim Avdeev
„Mehr Demokratie wagen“ Award: Black sisters in socialist „brother countries“ by Maresa Nzinga Pinto
Jury-Preis: It Will Hurt
Begründung der Jury (Auszug):
“The jury found It Will Hurt to be a film strong in imagery and emotion, sensitivity and authenticity.
In a world increasingly shaped by fear, ultimately, the fear of pain, It Will Hurt offers a space to process.
A powerful, forward-pushing piece, told with authenticity and aesthetic precision by Dasha Altukhova and her team. Congratulations!”- Christina Nevada, Juryvertretung
Der Film widmet sich Shibari, der japanischen Kunst des Fesselns mit Seilen, und entfaltet daraus eine poetische Reflexion über körperlichen und emotionalen Schmerz. It Will Hurt führt erzählt von Verletzlichkeit und davon, wie die bewusste Begegnung mit Schmerz die Wahrnehmung des eigenen Selbst verändern kann.
Audience Award: Momentum
Monument von Maksim Avdeev erhielt die meisten Stimmen des Publikums.
Regisseur Maksim Avdeev sucht den Kontakt zu seinem Vater. Zwischen ihnen stehen die Erfahrung des Exils, politische Überzeugungen und der Umgang mit seiner Queerness. Aus Archivbildern und Telefongesprächen entsteht ein intimer Film über Familie, Identität und die Frage, wie Nähe trotz tiefgreifender Unterschiede möglich bleibt.
Preis „Mehr Demokratie wagen“: Black Sisters in Socialist ‘Brother Countries’
Mit diesem Preis würdigen wir Filme, die demokratische Kultur stärken: Sie machen unterschiedliche Perspektiven sichtbar, fördern Teilhabe und zeigen Menschen, die Zivilcourage beweisen und für Grundrechte eintreten.
Maresa Nzinga Pintos Black Sisters in Socialist 'Brother Countries' erinnert an eine kaum erzählte Geschichte: die der mosambikanischen Vertragsarbeiterinnen in der DDR und ihres politischen Engagements nach der Rückkehr. Der Film verbindet historische Recherche mit gegenwärtigem Aktivismus. Er zeigt, wie die Frauen sich Gehör verschaffen, sich solidarisch organisieren und die Deutung ihrer Geschichte selbst in die Hand nehmen.
Der Film überzeugte durch seinen empathischen Blick auf die Frauen und ihren Einsatz füreinander. Dabei macht er komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge verständlich.

Die Jury
Die Jury bestand aus Christina Nevada, Kolja Volkmar, Jules Mandana und Konstantin Nowotny. In ihrer Ansprache dankten die Jurymitglieder allen Teilnehmenden für den Mut, ihre Ideen in Bilder zu übersetzen, vom ersten Einfall bis zum letzten Schnitt.
Ein Abend, der nachhallt
Die Filme gaben Anlass zu Gesprächen über dokumentarische Formen, die Verantwortung von Filmschaffenden und die Frage, wie sich Wirklichkeit auf der Leinwand erzählen lässt. Auch abseits der Vorführungen entstand Neues: Begegnungen, Diskussionen und erste Ideen für gemeinsame Projekte.
Wir danken allen Filmschaffenden, unseren Partnern AG DOK und LETsDOK sowie dem Publikum für ihr Vertrauen, ihre Neugier und den offenen Austausch.
Die nächste Ausgabe ist bereits in Planung. Über kommende Open Calls, Screenings und Workshops informieren wir in unserem Newsletter und auf Instagram.
Credits
Jury: Christina Nevada, Kolja Volkmar, Jules Mandana und Konstantin Nowotny
Curation: Jules Mandana
Moderation: Konstantin Nowotny, Jules Mandana
Foto: Paul Henschel
Hinweis: Dieser Beitrag dokumentiert die DOCS 030 – Short Documentary Competition 2025. Wir freuen uns über Ergänzungen für das öffentliche Archiv, etwa Filmstills, Zitate oder Links zu den Filmen.
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